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Zum Nach-Denken


Heraklit von Ephesos, * zwischen 540 und 535 v. Chr. † zwischen 483 und 475 v. Chr.

Heraklit

panta rhei ("alles fließt", die ständige Veränderung)

Wer in denselben Fluß steigt, dem fließt anderes und wieder anderes Wasser zu.
Wir steigen in denselben Fluß und doch nicht in denselben, wir sind es und wir sind es nicht.
Man kann nicht zweimal in denselben Fluß steigen.

Arthur Schopenhauer, * 22. Februar 1788 † 21. September 1860

Arthur Schopenhauer

Beständige Bewegung

Unser Dasein hat keinen Grund und Boden, darauf es fußte, als die dahinschwindende Gegenwart. Daher hat es wesentlich die beständige Bewegung zur Form, ohne Möglichkeit der von uns stets angestrebten Ruhe. Es gleicht dem Laufe eines bergab Rennenden, der, wenn er stillstehen wollte, fallen müßte und nur durch Weiterrennen sich auf den Beinen erhält.

Über die Welt

Im unendlichen Raum zahllose leuchtende Kugeln, um jede von welchen etwa ein Dutzend kleinerer, beleuchteter sich wälzt, die inwendig heiß, mit erstarrter, kalter Rinde überzogen sind, auf der ein Schimmelüberzug lebende und erkennende Wesen erzeugt hat - dies ist die empirische Wahrheit, das Reale, die Welt.
Jedoch ist es für ein denkendes Wesen eine mißliche Lage, auf einer jener zahllosen, im grenzenlosen Raum schwebenden Kugeln zu stehen, ohne zu wissen, woher noch wohin, und nur eines zu sein von unzählbaren ähnlichen Wesen, die sich drängen, treiben, quälen, rastlos und schnell entstehend und vergehend, in anfangs- und endloser Zeit.

Eine mißliche Lage

...eine mißliche Lage ist die unsrige! Eine Spanne Zeit zu leben, voll Mühe, Not, Angst und Schmerz, ohne im Mindesten zu wissen, woher, wohin und wozu, und dabei nun noch die Pfaffen aller Farben, mit ihren respektiven Offenbarungen über die Sache, nebst Drohungen gegen Ungläubige.

Die Wünsche

Die Belehrung, welche jedem sein Leben gibt, besteht im Ganzen darin, dass die Gegenstände seiner Wünsche beständig täuschen, wanken und fallen, sonach mehr Qual als Freude bringen, bis endlich sagar der ganze Grund und Boden, auf dem sie sämtlich stehen, einstürzt, indem sein Leben selbst vernichtet wird und er so die letzte Bekräftigung erhält, dass all sein Streben und Wollen eine Verkehrtheit, ein Irrweg war.

Abrichtung von Menschen

Es gibt keine Absurdität, die so handgreiflich wäre, dass man sie nicht allen Menschen fest in den Kopf setzen könnte, wenn man nur schon vor ihrem sechsten Jahre anfinge, sie ihnen einzuprägen, indem man unablässig und mit feierlichstem Ernst sie ihnen vorsagte. Denn, wie die Abrichtung der Tiere, so gelingt auch die des Menschen nur in früher Jugend vollkommen.